Zum Inhalt springen

VPN: brauchen Sie eines, und wenn ja welches?

Ein VPN schützt weniger, als viele denken, und an einer Stelle mehr. Was es wirklich tut, wann es sich lohnt, und worauf Sie beim Anbieter achten müssen.

6 Min LesezeitVeröffentlicht ClaveON · Vor-Ort-Erfahrung Köln
Jemand sitzt ruhig im Sessel mit einer Tasse Tee, das Telefon liegt unbeachtet auf dem Beistelltisch.

Fast jeder hat inzwischen von VPNs gehört, meist aus der Werbung in einem Video, und die Botschaft ist immer dieselbe: mehr Sicherheit, mehr Privatsphäre, ein Klick. Danach kommt die Frage, die bei uns regelmäßig am Küchentisch landet: brauche ich das, und wenn ja, welches?

Die kurze Antwort zuerst, weil sie für die meisten die richtige ist: zu Hause brauchen Sie in der Regel keines. Warum, und wann es doch sinnvoll ist, steht hier.

Was ein VPN tatsächlich macht

Normalerweise gehen Ihre Daten von Ihrem Gerät zu Ihrem Router und von dort über Ihren Internetanbieter ins Netz. Ein VPN schiebt dazwischen einen weiteren Server: Ihr Gerät baut eine verschlüsselte Verbindung zu diesem Server auf, und erst von dort geht es weiter.

Zwei Dinge ändern sich dadurch, und nur zwei:

  • Wer im gleichen Netz mitliest, sieht nicht mehr, mit welchen Seiten Sie sprechen.
  • Die besuchten Seiten sehen nicht Ihre eigene Adresse, sondern die des VPN-Servers.

Das ist alles. Ein VPN ist eine Verlegung, keine Schutzschicht um Ihr Gerät.

Was ein VPN nicht macht, und da liegt das Missverständnis

Das hier ist der Teil, der in der Werbung fehlt:

  • Keine Hilfe gegen Betrugsmails. Ein VPN prüft keinen Absender und keinen Link. Wer auf eine gefälschte Sparkassen-Mail klickt, klickt sie mit VPN genauso.
  • Keine Hilfe gegen Schadprogramme. Ein Anhang wird nicht geprüft, nur transportiert.
  • Kein Schutz für Ihre Konten. Wer Ihr Passwort hat, kommt in Ihr Konto, VPN hin oder her. Dagegen hilft die Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein Passwort-Manager.
  • Kein besseres WLAN. Eher langsamer. Wenn im Schlafzimmer kein Empfang ist, fehlt Funk, nicht Verschlüsselung. Das ist ein anderes Thema, und es steht im Ratgeber Mesh oder Repeater.

Und noch etwas, das oft überschätzt wird: Ihre Verbindung zu Bank, E-Mail und Shops ist schon verschlüsselt, seit Jahren, an jedem Anschluss. Das kleine Schloss in der Adressleiste ist genau das. Ein VPN verschlüsselt nicht „noch einmal mehr“, es verschiebt nur, wo Ihr Verkehr ins Netz eintritt.

Wann es sich wirklich lohnt

Es gibt einen Fall, und der ist echt: fremde WLAN-Netze. Hotel, Ferienwohnung, Café, Flughafen, Krankenhaus. Dort wissen Sie nicht, wer das Netz betreibt und wer mitliest.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, also die zuständige Bundesbehörde, empfiehlt dafür genau das:

„Rufen Sie vertrauliche Daten über ein fremdes WLAN-Netz am besten nicht ab. Falls das unvermeidbar ist, tun Sie dies möglichst nur über ein VPN (Virtual Private Network).“

Wer also im Urlaub Bankgeschäfte erledigt oder beruflich unterwegs ist, hat einen Grund. Wer sein Tablet im eigenen Wohnzimmer benutzt, hat keinen.

Ein zweiter Fall kommt vor, ist aber kein Sicherheitsthema: das eigene Streaming-Abo im Ausland weiter nutzen. Ob das nach den Nutzungsbedingungen des Anbieters erlaubt ist, steht in dessen Vertrag, nicht hier.

Wenn Sie eines wollen: worauf es ankommt

Hier ist der Punkt, den die Werbung am liebsten überspringt. Beim VPN läuft Ihr gesamter Verkehr über die Server eines Unternehmens, das Sie nicht kennen. Das BSI formuliert es so:

„Die Auswahl eines VPN-Anbieters ist immer Vertrauenssache, da Ihr gesamter Datenverkehr über dessen Server läuft und dort theoretisch überwacht und manipuliert werden könnte.“

Sie tauschen also Vertrauen: weg von Ihrem Internetanbieter, hin zum VPN-Anbieter. Deshalb sind das die Fragen, die zählen:

  1. Wer betreibt es, und in welchem Land sitzt die Firma? Danach richtet sich, welches Datenschutzrecht gilt.
  2. Was wird gespeichert? Ein Anbieter, der nichts mitschreibt, kann auch nichts herausgeben.
  3. Wer bezahlt den Betrieb? Server kosten Geld. Wenn Sie nichts zahlen, zahlt jemand anderes, und zwar für etwas.

Zum letzten Punkt wieder das BSI:

„Überdies bezahlt man ein kostenloses VPN nicht selten mit seinen persönlichen Daten, welche z.B. zu Marketingzwecken ausgewertet werden können.“

Ein Gratis-VPN aus dem App Store ist deshalb selten eine gute Idee. Bei einem Werkzeug, dem Sie den gesamten Datenverkehr geben, ist „kostenlos“ keine Eigenschaft, sondern eine Frage.

Anzeige

Wenn ein Kunde bei einem Termin sagt, er möchte eines, richten wir Proton VPN ein. Die Gründe sind dieselben drei von oben: Der Anbieter ist die Proton AG mit Sitz in der Schweiz, der Programmcode ist öffentlich einsehbar, und es gibt eine kostenpflichtige Version, an der man erkennt, womit der Betrieb bezahlt wird. Es gibt auch eine Gratisversion mit wenigen Serverstandorten.

Proton VPN ansehen →

Die Seite öffnet auf Englisch, das Programm selbst ist auf Deutsch. Die Preise stehen dort und nicht hier, weil sie sich ändern. Wenn Sie dort ein Abo abschließen, erhalten wir eine Provision. Für Sie ändert sich der Preis nicht. An unserer Antwort ändert sie auch nichts: Die steht oben, und sie lautet, dass die meisten unserer Kunden zu Hause kein VPN brauchen.

Was wir stattdessen empfehlen

Wenn es Ihnen um Sicherheit geht und Sie ein Budget haben, bringen diese drei Dinge deutlich mehr als ein VPN, in dieser Reihenfolge:

  1. Ein Passwort-Manager, damit nicht überall dasselbe Passwort steht.
  2. Zwei-Faktor-Authentifizierung für E-Mail und Bank.
  3. Ein Backup, das nicht dauerhaft am Computer hängt. Wie das geht, steht in der Datensicherung.

Das VPN kommt danach, und für die meisten kommt es gar nicht.

Wenn Sie unsicher sind, was bei Ihnen fehlt: Wir gehen die Einstellungen mit Ihnen durch, richten ein, was fehlt, und sagen Ihnen auch, was Sie sich sparen können. Vor-Ort-Hilfe, 79 € Festpreis, Anfahrt in Köln inklusive.

Häufige Fragen

Brauche ich zu Hause ein VPN?

In den meisten Fällen nicht. Zu Hause läuft Ihr Verkehr über Ihren eigenen Anschluss, und die Verbindung zu Bank, E-Mail und Shops ist ohnehin verschlüsselt. Ein VPN verlegt nur die Stelle, an der Sie ins Internet gehen. Nützlich wird es vor allem in fremden WLAN-Netzen.

Schützt ein VPN vor Viren und Betrugsmails?

Nein. Ein VPN prüft keine Anhänge, erkennt keine gefälschten Absender und hält niemanden davon ab, auf einen falschen Link zu klicken. Gegen Betrug hilft Aufmerksamkeit, gegen Schadprogramme ein aktuelles System. Das VPN macht davon nichts.

Reicht ein kostenloses VPN?

Meistens nicht, und es kann teurer sein als es aussieht. Das BSI schreibt dazu: „Überdies bezahlt man ein kostenloses VPN nicht selten mit seinen persönlichen Daten, welche z.B. zu Marketingzwecken ausgewertet werden können.“ Wer ein VPN wirklich braucht, sollte dafür zahlen.

Macht ein VPN mein WLAN schneller oder stabiler?

Nein, eher langsamer, weil der Verkehr einen Umweg über einen zusätzlichen Server nimmt. Wenn das WLAN im Schlafzimmer nicht ankommt, ist das ein Funkproblem und kein Verschlüsselungsproblem. Dafür braucht es einen anderen Router, einen Repeater oder ein Mesh.

Lieber persönlich helfen lassen?

Vor-Ort-Hilfe, Internet und Konten einrichten

Wenn Sie unsicher sind, ob bei Ihnen etwas fehlt: Wir schauen die Einstellungen mit Ihnen durch und sagen Ihnen ehrlich, was Sie brauchen und was nicht.

Neue Ratgeber per E-Mail

Ab und zu ein Hinweis, wenn ein neuer Artikel da ist. Kein fester Rhythmus, keine Werbung von anderen.

Für kleine Firmen und Büros

Haben Sie ein Büro oder eine kleine Firma in Köln?

Die laufende IT dahinter betreuen wir unter dem Namen WERIXO. Gleicher Ansprechpartner, klares Monatsbudget, ohne Fachjargon.

Zu WERIXO
Brauchen Sie Hilfe?